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Tomás González (Colombia): Lectura en esp./alemán de «Die versandete Zeit» / «Para antes del olvido»

— 25.11.10., 19h, Literaturhaus Basel (Barfüssergasse 3), BASILEA —
— „Gibt es eine lateinamerikanische Literatur von Rang nach Marquez? Ja, es gibt sie, und sie ist verbunden mit zwei Namen: Roberto Bolano und Tomás González." (FAZ) In seinem neusten Roman spannt González einen Bogen zwischen den Zeiten (1911 - 1978) und zwischen Südamerika und Europa. Voller Zartheit und Traurigkeit erzählt er von Josefinas lebenslanger Liebe zu Alfonso, der seine Heimat verlässt und in Belgien vom Ersten Weltkrieg überrascht wird. Der Roman ist auch eine Zeitreise in die Landschaften Kolumbiens am Beginn der technischen Revolution.
Tomás González (1950 in Medellin), lebte fast 20 Jahre als Journalist und Übersetzer in den USA. 2002 kehrte er in seine Heimat Kolumbien zurück. Er hat bisher fünf Romane sowie Erzählungen und Lyrik veröffentlicht.
— Moderation u. Übersetzung: Peter Schultze-Kraft.


Tomás González
Die versandete Zeit
Roman
Aus dem Spanischen übersetzt von Richard Gross und Peter Schultze-Kraft
240 Seiten, gebunden, Fadenheftung, Lesebändchen
Fr. 32.–, Euro 20.80
ISBN 978-3-85990-157-5

Die versandete Zeit ist Tomás González‘ komplexester, ehrgeizigster Roman. Und viele seiner Fans sagen, er sei sein schönster. Dem Autor gelingt mit diesem Buch das Kunststück, einen Bogen zwischen den Zeiten (1911–1978) und zwischen den Kontinenten (Südamerika–Europa) zu spannen, ohne dass die Geschichte ihm aus der Hand gleitet und ausfranst.

Die versandete Zeit ist in erster Linie eine Liebesgeschichte, und zwar über Josefinas lebenslange Liebe zu Alfonso, der eines Tages aus der Provinz in die Hauptstadt und dann in die Welt aufbricht und nach seiner Rückkehr eine andere heiratet. Aber das Buch ist noch vieles mehr: Es ist ein Reisebuch durch das Kolumbien vor 100 Jahren, in dem die Landschaften, die damals gebräuchlichen Verkehrsmittel und das soziale Ambiente zu Beginn des technischen Zeitalters lebendig werden. Es ist ferner ein Brückenschlag von Kolumbien nach Europa, weil Alfonso in Belgien vom Ersten Weltkrieg überrascht und Zeuge der Kriegsgräuel wird (insofern ist es auch ein Antikriegsbuch). Und es ist schliesslich ein Buch über das Schreiben eines Romans, denn der Autor, der als der Chronist León auftritt, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte von Alfonso und Josefina anhand von Alfonsos Tagebüchern und durch Befragung der alten Josefina zu erforschen, und lässt die Lesenden an diesem Prozess teilhaben.»

Das Buch handelt von der Zeit und der Erinnerung, vom Versanden der Erinnerung«, sagt der Autor. Und hat zugleich seine Protagonistin unsterblich gemacht. Denn die Kapitel, die von der greisen Josefina handeln, sind die zartesten und zärtlichsten Seiten, die die kolumbianische Literatur hervorgebracht hat.

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