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| ECOLOGIA | BRASIL |

WM in Brasilien – Ein nachhaltiges Vorzeigeprojekt?

Mit sportlichen Grossanlässen wie einer Fussballweltmeisterschaft gehen gewaltige Bautätigkeiten und viel Reiseverkehr einher. Ist es überhaupt möglich, einen solchen Anlass umweltfreundlich und nachhaltig für die Bevölkerung zu gestalten?

— von Isolde Erny (MA ETHZ), ECOLOGIA-Leiterin PuntoLatino —

 

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Die FIFA und die brasilianische Regierung haben sich dies für die WM 2014 zum Ziel gesetzt. Sie versprachen die bislang ‚ökologischste' WM und eine nachhaltige Nutzung der neuen Gebäude.

 

Die FIFA bemüht sich vor allem, die CO2 Emissionen des Flugverkehrs zu kompensieren. Zur WM reisen ca 2.25 Millionen Flug-Passagiere an oder fliegen zwischen den 12 Städten, in denen die Spiele ausgetragen werden. Wenn Ticketinhaber auf einer Seite namens (https://worldcupoffset.Fifa.com) ihre CO2 Emissionen ausrechnen, übernimmt die FIFA die Kosten für CO2-Kompensationszertifikate. Die Brasilianische Regierung dagegen setzt den Fokus auf die Stadien: sowohl die 7 neuerrichteten Stadien, als auch die 5 umgebauten sollen Zertifikate für nachhaltigen Gebäudebau aufweisen. Das Vorzeigestadion in Brasilia erhielt bereits ein LEED Zertifikat (Leadership in Energy and Environmental Design), welches weltweit anerkannt ist und zu den besten Labels gehört. Das Dach des Stadiums ist mit Solarzellen bestückt, die an sonnigen Tagen mehr Energie produzieren sollen, als der Betrieb des Gebäudes braucht. Zudem sammeln alle Stadien Regenwasser für die Rasensprinkler und teilweise auch den Betrieb der Toiletten.

 

Allerdings haben sich während der Bauphase auch grosse Schwierigkeiten des Grossprojektes gezeigt.
In den 12 gastgebenden Städten wurden insgesamt über 100'000 Menschen umgesiedelt, um Platz zu machen für Stadien, fast 20'000 neue Hotelzimmer und Unterkünfte, über 4'000 km Strassen, Eisenbahnanschlüsse, Flughafenerweiterungen und Parkplätze. Zivilgesellschaftliche Gruppen deckten bei den oft unter Zeitdruck realisierten Bautätigkeiten viele Rechtsverletzungen auf. Die WM fungierte als Entschuldigung, um die Städteplanung zu verändern und ganze Viertel ohne öffentliche Diskussion und demokratische Prozesse „aufzuwerten". In der Stadt Porto Alegre wurde beispielsweise ein zusammen mit der Bevölkerung konzipierter Überbauungsplan fürs Zentrum kurzerhand abgeändert, um Hotelprojekte und Sportanlagen bauen zu können. Es ist unklar, wer auf längere Sicht davon profitiert und wie nachhaltig der Aufschwung ist.
Auch das Umweltrecht wurde mehrfach umgangen. Einige Städte reduzierten ihre Schutzgebiete und für viele Gebäude und Infrastrukturbauten verlangten die Behörden keine, oder vereinfachte Umweltverträglichkeitsstudien. So wurde für den Stadionbau in Manaus Baumaterial über tausende Kilometer per Flugzeug herangeschafft, da der Transport auf dem Wasserweg wegen der Pegelschwankungen des Rio Negro erschwert war. Die nachhaltige Nutzung des Stadiums ist fraglich: es ist viel zu gross um je wieder ganz gefüllt zu werden, oder auch nur die Betriebskosten zu decken.

 

Um die zukünftigen Auswirkungen der Spiele abzuschätzen, kann man die WM 2010 in Südafrika betrachten. Es wurden ca 20'000 Menschen umgesiedelt, der Staat verschuldete sich auf 2.8 Mrd Franken und war nach den Spielen gezwungen, die Sozialabgaben zu kürzen. Eine nachhaltige Nutzung der Infrastruktur hat sich nicht bestätigt: einige der Arenen können voraussichtlich nie mehr ganz gefüllt werden, die Kosten tragen die Steuerzahler. Die FIFA nahm dagegen den bisher grössten Gewinn in ihrer Geschichte ein.
Es bleibt zu hoffen, dass dieses Schicksal Brasilien erspart bleibt und die gross angekündigten Bemühungen um eine nachhaltige und ökologische Veranstaltung fruchten. Dies wäre ein Ansporn für die Organisation der olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro, aber auch für Grossveranstaltungen in anderen lateinamerikanischen Ländern.

 

Quellen

http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/CO2neutrale-FussballWM/story/16867824 


http://www.phzh.ch/Documents/phzh.ch/Fachbereiche/GG/Ausgezeichnete-Arbeiten/Grossanlaesse.pdf
 


http://www.solidar.ch/data/0DF06392/Dossier_layout_de.pdf
 


http://www.quetzal-leipzig.de/lateinamerika/brasilien/der-bittere-beigeschmack-der-meisterschaften-brasilien-vor-der-fusballweltmeisterschaft-und-den-olympischen-spielen-19093.html
 


http://www.ey.com/Publication/vwLUAssets/Sustainable_Brazil_-_World_Cup/$FILE/copa_2014.pdf
 

 


 

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